Bildbeschreibungen

An dieser Stelle finden Sie in unregelmäßigen Abständen ausgewählte Werke mit Erläuterungen.

Überblick
Alltagebuch1 zu #lockdown2ndart
Waldtagebuch in Corona-Zeiten
Aus den Fugen geraten
Frühlingserwachen
Ratio und Emotio

Alltagebuch1 zu #lockdown2ndart

100×100 Mixed Media auf Hartfaserplatte

Im Rahmen der Aktion #lockdown2ndart entstand eine Collage, die sich aus 25 Papierquadraten zusammensetzt. 24 der Quadrate beinhalten jeweils ein Foto eines zuvor bearbeiteten Ausschnitts aus der Süddeutschen Zeitung. Die Reihe beginnt am 18.12.2020 und endet am 10.1.2021 (dem ursprünglich in Aussicht gestellten Ende des verschärften Lockdowns). Das 25. Quadrat enthält statt Foto lediglich drei aufgemalte Punkte als Zeichen für „und so weiter“.

Bei genauerer Betrachtung der Fotos ist zu sehen, dass ein Teil des täglichen Fotos in das folgende Foto (also das Foto des nächsten Tages) integriert wurde. Jede der täglichen Nachricht fließt also in die Nachrichten des kommenden Tages ein.

Ganz bewusst wurden Nachrichten aus allen Bereichen (Politik, Kultur, Sport, Wissenschaft …) gewählt. Auch der Hintergrund der Fotos besteht aus verschiedenen Farben, die allerdings in ihrer Reihung eine regelmäßige Ordnung erkennen lassen. Wirklich gleichförmig bleibt innerhalb des Gesamtwerks nur das Format des einzelnen Tages.

Petra Neumahr: „Wäre mir von Anfang an bewusst gewesen, was es heißt, diese Arbeit anzufertigen, hätte ich die Mühe nicht auf mich genommen!  Die anfängliche Experimentierfreude verwandelte sich sehr schnell in eine selbst auferlegte Pflicht, die täglich, ohne Ausnahme, aus mehreren Schritten bestand: Die Zeitung genauestens nach Brauchbarem zu durchforsten, sich für einen Ausschnitt zu entscheiden, diesen zu gestalten und  ihn dann zu fotografieren. Später mussten Fotos bearbeitet, Abzüge gemacht, Fotos und Papiere entsprechen geschnitten und collagiert werden. Erst dann, nach mehr als 24 Tagen geduldiger und disziplinierter Arbeit, konnten die Teile zusammengesetzt  und ausprobiert werden, ob die Idee „funktioniert“. Es war ein fast 4-wöchiges Experiment im permanenten Spannungsfeld zwischen der Befürchtung, vielleicht für einen Tag keine Nachricht bearbeiten zu können und der Hoffnung, dass alles wie geplant verlaufen und sich die Mühe letztlich lohnen wird. Eigentlich ist ein solches geplante Vorgehen nicht so mein Ding.“

Waldtagebuch in Corona-Zeiten

100 x 80 cm, Papiercollage auf Hartfaserplatte

Mit dem Waldtagebuch ist es der Künstlerin während des coronabedingten Lockdowns gelungen, etwas Neues und Besonderes im Alltag zu finden.

Erst sah sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.
Aber dann, nach vielen gelaufenen Endlosschleifen im Wald, nahm sie Einzelheiten wahr: Die Schönheit und Einmaligkeit von Baumrinden, miteinander verschlungene Pflanzen und Wege, aber auch, wie sich Blätter und Gehölz überlagern.

Täglich hat sie per Frottage auf einer Papierrolle die Rindenstruktur eines ausgewählten Baums konserviert.

So zeigt das Werk eine Wiederentdeckung des Wunderbaren im Alltäglichen und symbolisiert die Tatsache, dass gerade krisenhafte Zeiten Chancen und Geschenke beinhalten. kf

 

120×130 Acryl auf Leinwand

Aus den Fugen geraten

Auszug aus der Laudatio von Gabriele Keller, Journalistin i.R. und Achtsamkeitstrainerin, anlässlich der Vernissage zur Ausstellung „Entdeckungen“ im Blauen Haus, Otterberg:

„Das Bild heißt `Aus den Fugen geraten`. Es explodiert förmlich, Farben und Formen fliegen auseinander. Viel Kraft ist im Spiel. Eine Kraft, die Platz für Neues schafft. Oft malt Petra Neumahr spontan, emotional mit großen Gesten. Einerseits. Andererseits wird dieser ausufernden Kraft Einhalt geboten mit beruhigenden, bewusst gesetzten Elementen. Diese Gegensätze brauchen sich gegenseitig. Nur über den Gegensatz wird die jeweils eigene Qualität spürbar.

Petra Neumahr übersetzt ihre Gefühle in Farben. Sie muss sich spüren, muss mit sich in Verbindung sein, um malen zu können. … Sie spürt sich am besten in der Farbe Blau. Blau ist für sie frisch, klar und luftig.“

 

Frühlingserwachen

150×100 Acryl auf Leinwand 980€

In diesem Bild stellt Petra Neumahr die unbändige Lebensenergie und Kraft der Natur im Frühling dar. Dazu hat sie eine Farb- und Formensprache gewählt, die dieser mächtigen Kraft entspricht.

In der Signalfarbe rot sind organisch geformte Flächen als Knospen und Tulpen zu erkennen. Gleichberechtigt daneben steht ein dominantes Grün, das die Künstlerin mit jugendlicher Frische und unverbrauchter Kraft verbindet.

Die Dynamik und Lebendigkeit des Bildes ist durch eine gegenläufige Linienführung spürbar. Dazu kommen geschwungene Linien, die wie Blumenstiele im Wind fast rechtswinklig auf diagonal verlaufende Streifen (Sonnenstrahlen) treffen.

Es ist ein Spiel der Natur. Wild kämpfende Formen fügen sich bei längerer Betrachtung zu einer ausgewogenen, harmonischen Gesamtheit.

Ratio und Emotio – ein Bild aus der Reihe Gegensätzliches

90 x 90 cm, Acryl auf Leinwand

Für Petra Neumahr stand bei diesem Bild die Auseinandersetzung mit dem Gegensatzpaar Venunft und Gefühl im Vordergrund.

Im Entscheidungsprozess über den jeweiligen Anteil entschied sich die Künstlerin für das 50:50-Verhältnis. Eine Hälfte des Bildträgers wurde mit schwarz-weißen Streifen (Symbol für Planung, Ordnung, Ruhe, Vernunft) versehen. Die andere Hälfte zeigt eine bräunliche Zufallsstruktur (Symbol für Zufall, Chaos, Unruhe, Emotion).

Das Ergebnis wirkt stabil. Spannung entsteht, weil keiner der Pole in Reinform gelebt oder gemalt wird. Denn kleine Abweichungen vom Grundprinzip – dargestellt als weiße Striche in der Zufallsstruktur – tauchen belebend auf.

Damit wird auf künstlerischer Art und Weise dargestellt, welche Wirkung die exakte Ausgewogenheit zweier Gegensätze nach sich zieht. kf